Dahlienkönigin Laura I.Blumenkorso Legden

Historie

Die Anfänge

1926, der erste Weltkrieg liegt noch nicht so weit hinter uns –
in Westfalen und insbesondere im Westmünsterland nahe der niederländischen Grenze geht alles noch sehr beschaulich zu. Das Dorf, geprägt von vielen landwirtschaftlichen Höfen und einigen Handwerksbetrieben – Zimmerern und Schmieden etc. lässt eigentlich keine großen Kulturschauplätze erwarten.


Die ersten Vereine sind oder werden gegründet, wie SuS-Legden, Reiterverein, Kolping etc. Und in Legden lebt ein Vikar Entrup. Sein leidenschaftliches Hobby – Blumen – insbesondere Dahlien.

Nach Gesprächen mit einigen älteren Legdener Bürger(innen), die ihn noch gekannt haben, muss man sich wohl fragen, welche Berufung er tatsächlich hatte: die des Seelsorgers oder eher die des leidenschaftlichen Dahlienzüchter? Kaum war er in Legden einigermaßen sesshaft geworden, da öffnete sich auf dem Grund und Boden der Vikarie die Blütenpracht Tausender von Dahlien.

 

Die Legdener staunten nicht schlecht, als es schon zwei Jahre später rund 10 Morgen Land waren, die der fleißige Vikar „Verblümt“ hatte. Das sprach sich bald so stark herum, dass schon Mitte der 20er Jahre vom Emsland bis zum Ruhrgebiet
das „Dahliendorf“ zu einem festen Begriff wurde.


Vom Stammtisch zum Verein


Auszug aus dem Zeitungsbericht vom 7. August 1958


Eines Abend, man schrieb das Jahr 1926, ein milder Juliabend. Vikar Entrup betrat das Lokal Lanfer, setzte sich an den gerade tagenden Stammtisch und legte schnurstracks in seiner burschikosen Arte los: „Ich habe da so ein Ding in der Zeitung gelesen, dass in Nizza so was wie ein Blumenkorso gemacht wird.

 

Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, kann ich nur sagen: Wir sind ja eigentlich blöde, (Hotelier Lanfer: Genau das hat er gesagt) dass wir am Ende der Dahlien-Blütezeit nicht auch so einen Korso machen, wie die in Nizza.“ Spontan wie der Vikar war, paukte er noch am gleichen Abend den vom gesamten Stammtisch als „glatte Schnapsidee“ belachten Vorschlag durch, einen Korso zu veranstalten.

 

„Jeder, der mitmachen will, muss ins Gesellschaftszimmer kommen!“ rief der Vikar, worauf der Stammtisch in gutmütiger Dämmerschoppen-Laune seine Runde nach nebenan verlegte.


„Du machst das … und Du machst das“ und …

Minuten später waren sämtliche Stammtischbrüder nach einigem Durcheinander und Getümmel Mitglieder im Festausschuss. Der Vikar, der seine Legdener kannte und sein abendliches „Korsoprodukt“ nicht am nächsten, nüchternen Morgen mangels Aufgaben dahinschwimmen sehen wollte, verteilte noch in mitternächtlicher Stunde sämtliche zu vergebenen „Pöstkes“, getreu einer alten Gewohnheit: „Du machst das … und Du machst das …“ im Handumdrehen hatten alle, „was zu tun“.

 

Was der Vikar selbst zu machen hatte, bezahlte er kurzerhand aus der eigenen Tasche: Ein riesiges Plakat, mit dem er bereits am anderen Nachmittag halb Legden samt Stammtisch-Brüder in Erstaunen setzte. Mit führ wahr blumenreicher Sprache appellierte der Vikar mit diesem Plakat an das Ehrgefühl sämtlicher Legdener.

Nach unglaublichem Aufwand und Einsatz rollte am 3. Oktober 1926 der erste Blumenkorso durch Legdens Straßen. Was selbst kühnste Träume nicht erwarteten, trat ein. Mehr als 5.000 Zuschauer sahen den Festzug und ließen für das neue Krankenhaus an die 3.000 Reichsmark in Legden. Der Erfolg war Anlass für die Gründung des Vereins im Jahre 1927.

 

Das Korsofieber hatte Legden erfasst und so wurden bereits 1927 und 1928 die nächsten Korsen veranstaltet. Die Zuschauerzahl beim Korso 1927 von über 10.000 zeigt, dass das kleine Legden schlagartig weit über die Landesgrenze hinaus bekannt geworden war.

Die Erlöse wurden neben der Spende an das Krankenhaus für caritative und gemeinnützige Zwecke verwendet. So wurde ein Röntgenapparat für das Legdener Krankenhaus beschafft, der Erste im damaligen Kreis Ahaus. In den harten Wintern 1931/32 und 1932/33 wurde die „DAHLKIBLUKO-Winterhilfe“ ins Leben gerufen. Mit Hilfe der erwirtschafteten Überschüsse wurden viele Familien mit Brot- und Speckkarten, Einkaufsscheinen für Kleidung, Holzschuhe, Brennmaterial und Säuglingskleidung versorgt.

Der zweite Weltkrieg bedeutete eine Unterbrechung in der Korsogeschichte. Erst 1954 wurde die Idee von Vikar Entrup wieder aufgegriffen und im Jahr 1955 der erste Korso der Nachkriegszeit veranstaltet. Mit der Unterstützung der gesamten Legdener Bevölkerung und deren unschätzbarer Arbeit folgten in den Jahren 1956, 1958, 1960 die nächsten Umzüge. Seit dem ist der Legdener Korso bei vielen Blumenfreunden nicht mehr aus dem Terminkalender zu verbannen. Seit 1960 findet diese einzigartige Veranstaltung alle drei Jahre statt.

Die Gewinne werden ausschließlich für gemeinnützige, caritative Zwecke eingesetzt. Nach dem Krieg wurde der Bau des Kriegerehrenmales und der Orgel der Pfarrkirche unterstützt. Weitere Zuschüsse erhielten die evangelische Kirche, die Feuerwehr, die Musikkapelle, der Sportverein und viele andere gemeinnützige Einrichtungen. Mit dem Bau des Dorfbrunnens ist hier ein Zuschuss sichtbar geworden, der die nachfolgenden Generation u.a. daran erinnern soll, die Pflege dieser Tradition, „die Durchführung des Korsos“, so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Am17.09.17Programm ab 11 Uhr
Festumzug ab 14:30 Uhr

Aktuelles

Foto CD und Film CD
 

Der nächste Korso findet am 17. September 2017 statt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 
Vorbereitungen auf den Korso 2017 mehr »